Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einfach erklärt

Das KGV ist eine Kennzahl, die uns zeigt, wie viel Anleger bereit sind, für einen Euro Gewinn eines Unternehmens zu bezahlen. Es ist ein Maß für die Bewertung einer Aktie.

Wie wird es berechnet?

Das KGV wird ganz einfach berechnet:

Aktienkurs: Der aktuelle Preis einer Aktie an der Börse.

Gewinn pro Aktie: Der Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie in einem Jahr erwirtschaftet hat.

Das KGV beschreibt die Anzahl der Jahre, die das Unternehmen in der Theorie bräuchte, um alle eigenen Aktien mit dem eigenen Gewinn aufzukaufen.

Beispiel Berechnung KGV

Unternehmen A hat einen Aktienkurs von 10 € und einen Gewinn pro Aktie von 2€.

Man teilt also den Aktienkurs von 10€ durch den Gewinn pro Aktie von 2€:

10€ / 2€ = 5

5 ist hier das KGV und beschreibt die Anzahl der Jahre, die das Unternehmen in der Theorie bräuchte, um alle eigenen Aktien mit dem eigenen Gewinn aufzukaufen.

Ein niedriges KGV ist also prinzipiell besser, da das Unternehmen im Vergleich zum eigenen Gewinn günstiger bewertet ist.

Doch Vorsicht: das KGV ist nur eine Kennzahl und das KGV allein reicht nicht aus, um zu sagen, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.

Ist ein niedriges KGV immer besser?

In unserem Beispiel hat Unternehmen A ein KGV von 5. Wenn also Unternehmen B ein KGV von 10 hat, dann ist Unternehmen A günstiger, oder?

Vielleicht. Aber nicht notwendigerweise.

Wenn Unternehmen A seinen Gewinn jedes Jahr um 5% steigert und Unternehmen B seinen Gewinn jedes Jahr um 15% steigern kann, wird sich Unternehmen B mit der Zeit besser entwickeln.

Was bedeutet ein hohes oder niedriges KGV?

Hohes KGV

Ein hohes KGV deutet darauf hin, dass die Anleger optimistisch in Bezug auf die Zukunft des Unternehmens sind und bereit sind, einen höheren Preis im Verhältnis zum Gewinn zu zahlen.

Es könnte bedeuten:

  • Die Aktie ist möglicherweise überbewertet.
  • Das Unternehmen wird in Zukunft starkes Wachstum erwarten.
  • Die Anleger sehen das Unternehmen als relativ sicher an.

Niedriges KGV

Ein niedriges KGV deutet darauf hin, dass die Aktie im Verhältnis zu den Gewinnen günstig bewertet ist.

Es könnte bedeuten:

  • Die Aktie ist möglicherweise unterbewertet (was eine Kaufgelegenheit sein könnte).
  • Das Unternehmen hat möglicherweise Wachstumsprobleme oder andere Risiken.
  • Die Anleger sind pessimistisch in Bezug auf die Zukunft des Unternehmens.

Wichtige Hinweise und Einschränkungen

  • Vergleich ist wichtig: Das KGV ist am aussagekräftigsten, wenn man es mit anderen Unternehmen in derselben Branche oder mit dem historischen KGV des Unternehmens vergleicht.
  • Zukunftsgerichtete Erwartungen: Das KGV basiert oft auf zukünftigen Gewinnerwartungen. Diese Erwartungen können sich ändern.
  • Andere Faktoren: Das KGV ist nur eine von vielen Kennzahlen, die man bei einer Aktienanalyse berücksichtigen sollte. Man muss auch die Verschuldung, die Wachstumsaussichten, die Wettbewerbsposition und noch vieles mehr berücksichtigen.
  • Nicht für alle Unternehmen geeignet: Das KGV ist am sinnvollsten für Unternehmen, die profitabel sind. Für Unternehmen, die Verluste machen, ist das KGV oft nicht aussagekräftig.

Meine Faustformel für eine Bewertung mit KGV

Ich persönlich nutze eine Faustformel beim KGV um einschätzen zu können, ob eine Aktie auf den ersten Blick günstig oder teuer erscheint.

Dafür setzte ich das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Wachstum des Unternehmens pro Jahr.

Ist das KGV deutlich niedriger als das erwartete Wachstum, kann das auf eine Unterbewertung hindeuten. Ist es höher, kann das auf eine Überbewertung hindeuten.

Beispiel Faustformel KGV

Unternehmen C hat ein KGV von 10 und es wird ein jährliches Gewinnwachstum von 5% erwartet. Das KGV ist doppelt so hoch, wie das erwartete jährliche Wachstum. Die Aktie erscheint auf den ersten Blick eher teuer bewertet.

Unternehmen D hat ein KGV von 10 und es wird ein jährliches Gewinnwachstum von 10% erwartet. Das KGV ist genauso hoch, wie das erwartete jährliche Wachstum. Die Aktie erscheint auf den ersten Blick fair bewertet.

Unternehmen E hat ein KGV von 15 und es wird ein jährliches Gewinnwachstum von 30% erwartet. Das KGV ist halb so hoch, wie das erwartete jährliche Wachstum. Die Aktie erscheint auf den ersten Blick günstig bewertet.

Das Verhältnis des KGV zum erwarteten Wachstum dient nur einer ersten Einschätzung. Es können noch viel mehr Faktoren eine Rolle spielen. Aber es hilft mir, um schnell einzuschätzen, ob sich eine tiefergehende Recherche der Aktie und des Unternehmens lohnen könnte, oder nicht.

Zusammenfassung

Das KGV ist ein nützliches Instrument, um die Bewertung einer Aktie einzuschätzen. Ein höheres KGV deutet auf höhere Erwartungen und möglicherweise eine höhere Bewertung hin, während ein niedrigeres KGV auf niedrigere Erwartungen und möglicherweise eine günstigere Bewertung hindeuten kann. Es ist jedoch wichtig, das KGV im Zusammenhang zu betrachten und andere Faktoren bei der Anlageentscheidung zu berücksichtigen.

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